Aufnehmen in der digitalen Welt – KEINE Notwendigkeit, so „heiß“ wie möglich zu werden

Wie bereits erwähnt, beginnt der Weg zu einem guten Mix bereits in den ersten Aufnahmephasen. Grundlagen wie das richtige Mikrofon und dessen Platzierung in einem gut ausgestatteten Raum bestimmen, mit welchem ​​Material Sie arbeiten. Doch selbst mit den richtigen Werkzeugen an den richtigen Stellen kann ein großer Fehler passieren, der sich später nicht mehr beheben lässt: die Aufnahme mit zu hoher oder zu niedriger Lautstärke.

Hier sind ein paar Hinweise, wie Sie es richtig machen:

Regeln für die Pegelaufzeichnung im digitalen Zeitalter

Wie Sie wahrscheinlich bereits wissen, liegt der Schlüssel darin, den Mittelweg zu finden, den „Sweet Spot“. Natürlich sollten die Pegel nicht zu leise sein – solchen Tracks fehlt einfach die nötige Verstärkung, um richtig arbeiten zu können. Dasselbe gilt für zu hohe Lautstärken – leuchtet die Anzeige rot, haben Sie einen Track, der „zu heiß“ ist. Wie laut sollte er also sein, fragen Sie sich? Bei digitalen Aufnahmen lautet die Antwort: nicht so laut, wie Sie wahrscheinlich denken.

In den frühen „goldenen“ Tagen der analogen Technik versuchten Toningenieure oft, Bandrauschen und andere unerwünschte Geräusche zu maskieren, indem sie versuchten, möglichst viel Signal aus der Spur herauszuholen. Das Ziel: Die Pegel so hoch wie möglich zu bekommen, ohne die Clipping-Grenze zu überschreiten. Das war die alte Methode, um Audio sauber zu bekommen. Im Zeitalter digitaler Audio-Workstations (DAW) gibt es deutlich weniger Rauschen. Wer im Schlafzimmer aufnimmt, verwendet (hoffentlich) kein Band und keine analoge Ausrüstung. Manche Leute empfinden die leise, präzise digitale Aufnahme jedoch als störend und sagen, sie sei zu durchsichtig.

Clipping: Freund oder Feind?

Es ist erwähnenswert, dass die Schönheit analoger Aufnahmen in der natürlich entstehenden Verzerrung/Sättigung liegt, die entsteht, wenn das Signal auf das Band übersteuert wird. Die Reaktion darauf ist eigentlich recht angenehm anzuhören, weshalb viele Toningenieure dies beispielsweise bei Schlagzeugaufnahmen absichtlich tun.

Anders sieht es jedoch bei digitalen Aufnahmen aus. Wenn Sie den Ton in einer DAW wie Pro Tools übersteuern, entsteht eine hässliche, harte digitale Verzerrung. Das ist für die meisten Menschen äußerst unangenehm. In einem digitalen Arbeitsbereich sollten Sie aus Sicherheitsgründen weder bei einzelnen Spuren noch beim Masterbus an die Grenze des Übersteuerns kommen.

Vorteile der digitalen Aufnahme

Deinstallieren Sie Ihre DAW jedoch nicht vorschnell! Die digitale Welt bietet tatsächlich viele nützliche und notwendige Funktionen. Die meisten von uns können mittlerweile mit 24 Bit aufnehmen. Dieser zusätzliche Wert bietet Tontechnikern viel sogenannten Headroom. Bei 24 Bit stehen mehr als 144 dB Dynamikumfang zur Verfügung. Das bedeutet, dass Sie bei niedrigeren Pegeln aufnehmen und trotzdem ein sehr sauberes, klares und (bei korrekter Ausführung) völlig rauschfreies Audiosignal erhalten.

Versuchen Sie also, die Lautstärke zur Abwechslung nicht zu hoch zu drehen. Wenn Ihre Messgeräte bis zu -6 dB oder -4 dB ausschlagen, sind Sie möglicherweise „zu heiß zum Anfassen“ … haha.

Versuchen Sie, den Pegel so weit herunterzuregeln, dass Sie konstant nur die Hälfte bis zwei Drittel der Pegel erreichen. Die richtige Einstellung hängt von der jeweiligen Situation ab. Auch wenn Ihnen dieses Beispiel zu radikal erscheint, probieren Sie es aus. Sie werden sehen, dass es im digitalen Zeitalter nicht mehr nötig ist, der alten Tradition zu folgen, so heiß wie möglich zu sein, ohne zu übersteuern.


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